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Lehrer wollen mehr schlichten als richten


Gewalt an Schulen: Pädagogen sind in Konflikten schnell mit ihrem Latein am Ende

    Stade (rön). Neulich an der Bushaltestelle. Zwei Schüler warteten auf die Abfahrt. Eine dumme Bemerkung ergab die andere. Schließlich lieferten sich die zwei Schüler eine Schlägerei, die sich gewaschen hatte. Die blauen Flecken verzogen sich mit der Zeit, nicht aber der tiefe Groll, den beide seitdem gegeneinander hegen. Eine Situation aus dem Schulalltag wie viele. Wie mit solchen Konflikten umgehen? Dieses Thema nahmen sich jetzt Lehrer von Stader Schulen vor.

    Studien zeigen es schwarz auf weiß: Das Klima an den Schulen ist durch Konflikte erheblich belastet. Auch in Stade beschäftigt sich mittlerweile ein Arbeitskreis im Rahmen der Kriminalitätsprävention mit der "Gewalt an Schulen". Gesucht sind neue Wege, um mit Konflikten und Gewaltbereitschaft besser umgehen zu können. Zu diesem Zweck trafen sich 14 Lehrerinnen und ein Lehrer zu einem Workshop, in dem Lutz Netzig vom Waage-Institut neue Formen der Konfliktschlichtung und Mediation vorstellte.

    "Schlichten statt richten", ist die Losung, die Lutz Netzig ausgibt. Seit Jahren zum Beispiel im Täter-Opfer-Ausgleich und in Konfliktberatung erfolgreich praktiziert, sollen neue Methoden nun auch Schule machen. Streitende Schüler sollen in das Schlichtungsgespräch einbezogen werden; Lösungen werden anvisiert, "die für beide Seiten positiv sind"; statt auf den Zwang der Strafe setzen die Vermittler auf die freiwillige Einigung. Eine wichtige Rolle in dem ganzen Prozess spielen dabei so genannte "Konfliktlotsen". Das können, so Netzig, auch Schüler und Schülerinnen sein, die "meist mehr Phantasie in der Regelung von Konflikten haben", meinen die Pädagogen. Sie an den Schulen zu finden und auszubilden, ist eine der wichtigen Aufgaben, die die Lehrkräfte in Zukunft angehen wollen.

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